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Valentin Groebner: Dr. phil. Charisma
Dr. phil. Charisma
(S. 191 – 197)

William Clark erforscht akademische Halbwertszeiten

Valentin Groebner

Dr. phil. Charisma
William Clark erforscht akademische Halbwertszeiten

PDF, 7 Seiten, 0.0 MB

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Valentin Groebner

ist Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern. Er hat zu Geschenken, Gewaltbildern, zur Geschichte des Identifizierens und zu Mittelalterbildern in der Moderne gearbeitet. Ein laufendes Forschungsprojekt beim Schweizerischen Nationalfonds beschäftigt sich mit der Vermarktung und Käuflichkeit menschlicher Körper seit dem 16. Jahrhundert.

Weitere Texte von Valentin Groebner bei DIAPHANES
David Gugerli (Hg.), Michael Hagner (Hg.), ...: Nach Feierabend 2006

Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde aus Geist in vielen Disziplinen Kultur. Das Leiden an der ewigen Wiederkehr des Gleichen fand ein unglückliches Ende, als der Kanon vieler geisteswissenschaftlicher Fächer im Zuge dieser Entwicklung in die Luft gejagt wurde. Dennoch hält die Philosophie – neben der Theologie – bis heute und fast überall an einem »heiligen« Kanon von Quellen fest. Sie ist darüber aber auch nicht froh geworden. Der amerikanische Philosoph Stanley Cavell verschließt sich kanonischen Autoren wie Aristoteles, Locke, Kant oder Nietzsche nicht, doch beschäftigt er sich auf eine für die Philosophie ungewöhnliche Weise auch mit dem Hollywood-Film, mit moderner Literatur und mit der Oper. Damit geht Cavells Forderung einher, auf die Umgangssprache zu achten, um jene terminologische Verschattung der Philosophie zu verhindern, die sie zu einer Pseudowissenschaft macht und ihr den Sinn für das Alltägliche raubt. Sein Anliegen verbindet Cavell mit der antiken Vorstellung, Philosophie habe Selbsterkenntnis zu sein. Das Streben nach Selbsterkenntnis bedeutet für ihn die Suche nach und im Idealfall das Auffinden einer eigenen Stimme. Diese Suche findet überall statt: auf der Opernbühne, bei dem im Hollywoodfilm streitenden und sich wiederverheiratenden Ehepaar – oder eben im philosophischen Text.